Tanztee der AWO Bergedorf ist ein Renner

Bis auf den letzten Platz sind die Tischreihen im Körbersaal besetzt. Schon eine halbe Stunde vor Beginn des Tanztees unterhalten sich die Gäste angeregt, die AWO Helfer*innen verteilen Kaffee und Plundergebäck, DJ Achim am Stehpult checkt nochmal die Musikliste in seinem Laptop. Zum ersten Mal dabei sitzt etwas abseits der 77-jährige Manfred Schuster, der erst vor gut einem halben Jahr nach Bergedorf gezogen ist. „Ich muss unter Leute kommen und Leute kennenlernen“, erzählt er und blickt noch etwas schüchtern durch den Saal. „Die kennen sich hier ja alle.“ Früher hat er regelmäßig getanzt, sogar an Turnieren teilgenommen.

„Im Herzen jung“ zur Eröffnung

Um Punkt halb zwei schnappt sich Reinhard Ott, einer der AWO Ehrenamtlichen, die den Tanztee seit Jahren organisieren, das Mikrophon. Kurzer Blickkontakt mit DJ Achim und schon singt er im Vollplayback beim Gang durch den Saal „Im Herzen jung“ von den Amigos. Das hat Tradition und viele der Gäste, überwiegend Frauen über 70 Jahre, aber auch einige Ehepaare, singen leise mit. Noch ein Medley mit bekannten Schunkelliedern, dann sind alle aufgewärmt.

Geselligkeit und freundlicher Empfang durch die AWO

Bei „Ich werd verrückt du bist der Wahnsinn“ von den Flippers füllt sich die Tanzfläche in Windeseile. Jeden Montag dabei: Helga und Gerhard von der Liedt. „Uns gefällt erstmal die ganze Gemeinschaft, die Geselligkeit und dass wir hier von den helfenden Leuten der AWO so nett empfangen werden“, erzählt Helga. Und ihr Mann ergänzt: „Und dass wir so schön tanzen können. Foxtrott, Walzer oder Tango – wir tanzen alles gerne. Ich bin ja blind, aber meine Frau passt auf und wir tanzen hier ganz wunderbar“, erzählt er begeistert. Ein Stück weiter tanzt Monika Philipp vergnügt alleine im Getümmel. Sie kommt schon seit mindestens fünf Jahren hierher: „Die Männer sind ja eigentlich immer in der Minderheit. Und hier fällt das nicht so auf, hier können wir auch für uns alleine tanzen, das ist gut.“

Hundertjährige ist Stammgast

Auch für Heike und Bernd Pingel ist der montägliche Tanztee eine willkommene Abwechslung und sie sind fast durchgängig auf der Tanzfläche. „Das nette Beisammensein, lustig sein, tanzen – Was will man mehr? Und daher ist es supertoll, dass die AWO das hier anbietet!“ sagt Heike Pingel. Der älteste Stammgast ist die 100-jährige Eva Coerper. Sie schunkelt mit und verfolgt das Treiben ansonsten vom Kopfende des Tisches aus, mit Blick Richtung Tanzfläche. Da sie kaum noch laufen kann, wird sie jede Woche von der AWO zu Hause abgeholt und zum Tanztee gefahren. „Kaffee trinken, Freunde wiedersehen und beim Tanzen zusehen – Das gefällt mir alles“, berichtet die Hundertjährige und strahlt dabei.

Abschalten und vom Alltag ausruhen

Nach einer halben Stunde fasst auch „Tanztee-Neuling“ Manfred Schuster dann seinen Mut und fordert eine erste fremde Dame zum Tanz auf. Auch bei ihm ist das Eis damit gebrochen. Für Mitorganisator Reinhard Ott ist das ganz typisch: „Jeder, der hier reinkommt, wird behandelt, als ob du ihn schon lange kennst, als Freund.“ Und zum Erfolgsrezept des wöchentlichen Tanztees erklärt er: „Das macht einfach Spaß. Und da jeder so sein eigenes Schicksal hat, gerade im Alter, man hat seine Wehwehchen – Die wollen hier einfach mal abschalten, vom Alltag ausruhen“, so Reinhard Ott. Der große Erfolg gibt ihm Recht. Knapp 100 Senior*innen sind an diesem Nachmittag da und der Platz wird langsam knapp.

„Das ist wie eine Therapie“

Rund alle drei Lieder sorgt DJ Achim mit einer kleinen Tanzpause dafür, dass alle verschnaufen können. Auch für Musikwünsche ist er immer offen und kennt inzwischen die Musikvorlieben seiner Gäste, wie „Hulapalu“ mit dem Tüchertanz. „Das ist wie eine Therapie, die gehen richtig jung hier raus“, so DJ Achim.

Das kann auch AWO-Treffleiterin Renate Nasralla bestätigen: „Einmal im Monat kommt eine zehnköpfige Gruppe mit dementen Senior*innen zum Tanztee. Und danach sind auch deren Betreuer*innen immer begeistert vom fröhlichen Gemütszustand der Menschen. ´Was haben sie mit meinen Leuten gemacht?´ fragen sie mich immer“, erzählt Nasralla und lacht.

Bei Neuzugang Manfred Schuster ist die Tanzlaune jedenfalls sichtlich geweckt. Inzwischen tanzt der 77-jährige schon eine schnelle Rock ´n´ Roll-artige Nummer mit der tanzkundigen, neun Jahre jüngeren Astrid Stüve. Für ihn steht fest: „Ich komme wieder und werde auch Mitglied bei der AWO!“

Hier gibt es u.a. regelmäßige Tanzveranstaltungen bei der AWO:

Bergedorf:
„Tanztee“, montags, 13:30-16:00 Uhr, Körbersaal; AWO Treff Bergedorf

Altona:
„Louise tanzt“ – Ü50-Disco, 1x mtl. sonntags, 17:00-20:00 Uhr, AWO Treff Louise Schroeder

Wandsbek:
„Musik, Tanz, Kaffee & Kuchen“, 1x mtl. freitags, 15:00-18:00 Uhr, AWO Treff Eilbek


Die Programme der einzelnen AWO-Treffs finden Sie hier: